Beispiele aus der Beratung

  1. Beispiel 1: Für Bäckerei nur Männer gesucht – Diskriminierung bei der Begründung eines Arbeitsverhältnisses
  2. Beispiel 2: Weniger Lohn für gleiche Arbeit als Folge falscher Einstufung - Entgeltdiskriminierung
  3. Beispiel 3: Aufstiegshilfe für Männer zur „wohlverdienten“ Leitungsposition – Diskriminierung beim beruflichen Aufstieg
  4. Beispiel 4: Keine Vertragsumwandlung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis nach Zurückweisung einer sexuellen Belästigung – Diskriminierung durch sexuelle Belästigung und bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses
  5. Beispiel 5: Kündigung nach Belästigung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit
  6. Beispiel 6: Diskriminierung bei Gehaltseinstufung aufgrund fortgeschrittenen Alters
  7. Beispiel 7: Diskriminierung beim Zugang zu Beschäftigung aufgrund der Religion
  8. Beispiel 8: Belästigung bei Berufsausbildung wegen sexueller Orientierung
  9. Beispiel 9: Diskriminierung durch ein Fitnessstudio – Vertrag wurde nicht abgeschlossen
  10. Beispiel 10: Diskriminierung durch eine Diskothek - Besuch wurde verweigert
  11. Beispiel 11: Diskriminierung durch eine Hausverwaltung – Wohnung wurde nicht vermietet
  12. Beispiel 12: sexuelle Belästigung durch Handwerker

Beispiel 1: Für Bäckerei nur Männer gesucht – Diskriminierung bei der Begründung eines Arbeitsverhältnisses

Frau D ist gelernte Bäckerin und seit Monaten auf der Suche nach einem Arbeitsplatz in ihrem erlernten Lehrberuf. Zwischenzeitig war sie, auch aus finanziellen Gründen, auch in der Produktion und im Gastgewerbe tätig. Sie erzählt von mehreren Bewerbungsgesprächen, in denen sie deshalb nicht erfolgreich war, weil sich die Betriebe eine Frau als Bäckerin nicht vorstellen können. Es wurden ihr verschiedene Gründe genannt, weshalb sie nicht eingestellt werden könne. Unter anderem wurde argumentiert, dass Frauen wegen der hohen Hitzeeinwirkung sowie der Schwere der Arbeit körperlich nicht in der Lage wären, diese Tätigkeit auszuüben. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft interveniert in einigen Fällen, Frau D möchte jedoch vor allem eine Bewusstseinsänderung bei den Unternehmen bewirken und entschließt sich aus diesem Grund gegen weitere rechtliche Schritte.

Beispiel 2: Weniger Lohn für gleiche Arbeit als Folge falscher Einstufung - Entgeltdiskriminierung

In einem Unternehmen werden alle Arbeitsplätze neu bewertet und in der Folge in die jeweiligen kollektivvertraglichen Verwendungsgruppen eingereiht. Im Zuge der Neubewertung ihres Arbeitsplatzes erfährt Frau E, dass ihr Arbeitsplatz im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen schlechter bewertet wurde, obwohl diese die gleichen und gleichwertige Tätigkeiten verrichten. Das Ergebnis ist, dass Frau E in eine andere Verwendungsgruppe eingereiht und niedriger entlohnt wird.
Frau E wendet sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft, die dem Betriebsrat eine schriftliche rechtliche Beurteilung des Sachverhaltes übermittelt. In der Folge erreicht die Frau mit Unterstützung des Betriebsrats in Verhandlungen mit ihrem Arbeitgeber eine diskriminierungsfreie Einstufung.

Beispiel 3: Aufstiegshilfe für Männer zur „wohlverdienten“ Leitungsposition – Diskriminierung beim beruflichen Aufstieg

In einem großen Betrieb wird intern die Abteilungsleitung für Personal und Personalentwicklung ausgeschrieben.
Frau F, ca. 50 Jahre alt, die große Erfahrung auf dem Gebiet des Personalwesens mitbringt, eine juristische Ausbildung mit Schwerpunkt Arbeitsrecht abgeschlossen und zuletzt mehrere Jahre die Controllingabteilung im selben Unternehmen geleitet hat, bewirbt sich – neben mehreren männlichen Kollegen – um die Position.
Wegen ihrer fachlichen und persönlichen Qualifikation hält sie sich für am besten geeignet. Dies wird ihr von zwei von insgesamt drei Geschäftsführern auch mündlich bestätigt. Es ist im Betrieb üblich, dass sich die drei bestqualifizierten BewerberInnen einem Hearing stellen. Wer mit der höchsten Punktezahl aus dem Hearing hervorgeht, erhält die jeweils vakante Position. Frau F. absolviert das Hearing mit zwei Mitbewerbern und schneidet mit der höchsten Punktezahl ab.
Als der Geschäftsleitung das schriftliche Ergebnis des Hearings vorgelegt wird, ist diese mit dem Ergebnis nicht einverstanden. Einer der Geschäftsführer wünscht sich unbedingt einen Mann für die verantwortungsvolle und angesehene Position. Er verlangt, dass mit den beiden bestgereihten KandidatInnen ein weiteres Hearing abgehalten wird. Er setzt sich damit in der Geschäftsleitung soweit durch, dass keine sofortige Besetzung der Position vorgenommen wird.
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft informiert das Unternehmen, dass Frau F. überlegt, eine Klage auf Schadenersatz einzubringen. Die angestrebte Position ist die bestbezahlte im Unternehmen. Alle bisher dort Tätigen haben sie bis zum Pensionsantritt innegehabt. Nach weiteren Gesprächen wird die Leitungsfunktion mit Frau F. besetzt, ohne ein zweites Hearing durchzuführen.

Beispiel 4: Keine Vertragsumwandlung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis nach Zurückweisung einer sexuellen Belästigung – Diskriminierung durch sexuelle Belästigung und bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses

Frau G absolviert in einem Unternehmen erfolgreich eine Lehre und hat dort anschließend ein befristetes Arbeitsverhältnis, das laut Arbeitsvertrag darauf angelegt ist, unbefristet verlängert zu werden, sofern nicht Gegenteiliges ausgesprochen wird.
Als Frau G ihren Vorgesetzten beim Ausgehen zufällig in einem Lokal trifft, wird sie von ihm zu einem Getränk eingeladen. Dabei hält er sie überraschend fest und versucht, sie zu küssen. Sie wehrt sich heftig und reagiert mit einer Ohrfeige. In den darauffolgenden Tagen ist es ihr sehr unangenehm, wenn sie ihm bei der Arbeit begegnet. Der Vorgesetzte macht ihr weiterhin Avancen, die sie zurückweist.
Kurz vor Ablauf des befristeten Arbeitsverhältnisses wird Frau E schriftlich mitgeteilt, dass ihr Arbeitsverhältnis mit Zeitablauf enden wird.
Nach Intervention der Gleichbehandlungsanwaltschaft erhält Frau E vom Vorgesetzten den für den Tatbestand der sexuellen Belästigung gesetzlich vorgesehenen Mindestschadenersatz. Rechtliche Schritte bezüglich einer möglichen Diskriminierung bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses möchte sie nicht setzen.

Beispiel 5: Kündigung nach Belästigung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit

Ein Mann afrikanischer Herkunft arbeitet seit 16 Jahren als Abwäscher in einem renommierten Gastronomiebetrieb. Nach der Übernahme des Betriebes durch einen neuen Eigentümer kommt es immer wieder zu unangenehmen Vorfällen, die nach dem Eindruck des Mannes darauf abzielen, ihn dazu zu bringen, das Unternehmen von sich aus zu verlassen und so auf seine Abfertigungsansprüche zu verzichten. So weist der Chef einen Arbeitskollegen des Mannes an, eine bestimmte Tätigkeit nicht selber zu verrichten, sondern „dem Neger zu sagen, dass er dies machen solle“. In der Beratung wird dem Mann angeboten, ein Interventionsschreiben an den Arbeitgeber zu richten, in dem auf die Unzulässigkeit derartiger Belästigungen wegen ethnischer Herkunft hingewiesen werden soll. Bevor das Schreiben an den Arbeitgeber gerichtet werden kann, spricht dieser die Kündigung aus. Der Mann entschließt sich, mögliche arbeitsrechtliche Ansprüche mit Unterstützung der Arbeiterkammer einzufordern und die Belästigungen vorerst nicht weiter zu verfolgen.

Beispiel 6: Diskriminierung bei Gehaltseinstufung aufgrund fortgeschrittenen Alters

Eine 56-jährige Frau wendet sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft, da sie sich bei der Festsetzung des Entgelts aufgrund ihres Alters durch ihren Arbeitgeber diskriminiert fühlt. Vor einiger Zeit hatte sie mit Unterstützung ihres unmittelbaren Vorgesetzten bei der Personalabteilung um eine höhere Gehaltseinstufung angesucht. Diese höhere Einstufung wurde ihr mit dem Hinweis verweigert, dass diese ihr nicht zustehe und dass in dem Unternehmen der Grundsatz herrsche, dass MitarbeiterInnen „zeitnah zur Pensionierung“ nicht umzugruppieren sind. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft stellt daraufhin ein Verlangen auf Einleitung eines Verfahrens vor der Gleichbehandlungskommission zur Feststellung, ob eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots aufgrund des Alters bei der Festsetzung des Entgelts, beim beruflichen Aufstieg oder bei den sonstigen Arbeitsbedingungen vorliegt.

Beispiel 7: Diskriminierung beim Zugang zu Beschäftigung aufgrund der Religion

Eine Frau türkischer Herkunft wendet sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft nachdem sie sich beim Vorarbeiter eines Reinigungsunternehmens für eine Stelle als Reinigungskraft in einer Privatklinik beworben hat. Dieser teilte ihr mit, dass die Privatklinik nicht wünsche, dass Frauen mit Kopftuch in ihren Räumlichkeiten putzen. Da das Tragen des Kopftuchs Teil ihres Glaubens ist, sieht sich die Frau nicht in der Lage, die Arbeitsstelle anzutreten. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft richtet eine Aufforderung zur Stellungnahme an das Reinigungsunternehmen mit dem Hinweis, dass es sich hierbei um eine unzulässige Diskriminierung aufgrund der Religion handelt. Die Firma nimmt daraufhin mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft Kontakt auf und bietet der Frau eine andere Stelle an. Sie hat jedoch in der Zwischenzeit einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Beispiel 8: Belästigung bei Berufsausbildung wegen sexueller Orientierung

Zwei Männer wenden sich mit der Bitte um Beratung und Unterstützung an die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Beide nehmen an einer Qualifizierungsmaßnahme durch einen vom Arbeitsmarktservice beauftragten Arbeitskräfteüberlasser teil. Beide machen unter anderem geltend, dass sie sich auf Grund diverser Aussagen der MitarbeiterInnen des Unternehmens auf Grund ihrer sexuellen Orientierung belästigt fühlen. So sei seitens der Trainerin des Unternehmens in Reaktion auf die Frage eines der Betroffenen, warum er trotz seiner vorbildlichen Bewerbungsunterlagen keinen Arbeitsplatz finden würde, die Meldung gefallen: „Das kann ich ihnen schon sagen! ... weil Sie nur für einen Mann arbeiten können, der Männer liebt.“ Die Gleichbehandlungsanwaltschaft stellt in Vertretung der beiden Männer ein Verlangen bei der Gleichbehandlungskommission auf Überprüfung des Vorliegens einer Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung.

Beispiel 9: Diskriminierung durch ein Fitnessstudio – Vertrag wurde nicht abgeschlossen

Zwei Jugendliche afrikanischer Herkunft möchten einen Jahresvertrag in einem Fitnessstudio abschließen. Die Rezeptionistin teilt ihnen mit, es gäbe einen Aufnahmestopp. Die telefonische Auskunft einige Tage zuvor hatte jedoch ergeben, dass eine Einschreibung im Fitnessstudio jederzeit möglich sei.

Bei neuerlicher telefonischer Anfrage teilt das Fitnessstudio mit, dass derzeit für Männer ein Aufnahmestopp bestehe, Frauen aber jederzeit trainieren können. Als auf die unterschiedlichen Auskünfte hingewiesen wird und der Verdacht geäußert wird, die Hautfarbe könne eine Rolle spielen, erklärt eine Mitarbeiterin des Fitnessstudios, dass es für Menschen mit dunkler Hautfarbe einen Aufnahmestopp gäbe, da die anderen Kunden und Kundinnen des Fitnessstudios sonst nicht mehr kämen.

Nach kostenlosen und vertraulichen Beratungsgesprächen hat die Gleichbehandlungsanwältin ein Schreiben an den Geschäftsführer gerichtet, indem sie erklärt, dass ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz vorliegt, wenn Menschen mit dunkler Hautfarbe vom Zugang zum Fitnessstudio ausgeschlossen werden. Schließlich kommt es zu Vergleichsgesprächen und zu einer außergerichtlichen Lösung, indem Jahresabos als Entschädigung angeboten werden.

Beispiel 10: Diskriminierung durch eine Diskothek - Besuch wurde verweigert

Ein junger Mann indischer Herkunft möchte gemeinsam mit seiner Freundin österreichischer Herkunft an einem Samstag eine Diskothek besuchen, da ein gemeinsamer Freund der beiden an diesem Abend in dem Lokal seinen Geburtstag feiert. Als der Mann indischer Herkunft mit seiner Freundin die Diskothek betreten möchte, sagt einer der beiden Türsteher zu ihm: „Für dich heute nicht!“ Seine Freundin österreichischer Herkunft wird in die Diskothek eingelassen.

Der Mann indischer Herkunft fragt den Türsteher, ob er glaube, dass er noch nicht 16 Jahre alt sei und ihn deshalb nicht in die Diskothek einlasse. Der Türsteher erwidert jedoch, dass es nicht um das Alter gehe und er keinen Grund angeben müsse, warum er ihn nicht einlasse, da er das Hausrecht habe.

Der Mann und seine Freundin diskutieren mit dem Türsteher und versuchen herauszufinden, was der Grund für die Verweigerung des Diskobesuches ist. Sie bekommen jedoch keine Antwort von dem Türsteher.

Der betroffene Mann wendet sich zur Beratung und Unterstützung an die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Die Gleichbehandlungsanwältin verfasst zunächst ein Schreiben an den Geschäftsführer der Diskothek sowie den Geschäftsführer des Security-Unternehmens, wobei sie den Vorfall schildert, auf die rechtlichen Bestimmungen des Geichbehandlungsgesetzes verweist und um Stellungnahme zu dem Vorfall ersucht. In ihrer Stellungnahme bestreiten sowohl das Security-Unternehmen, als auch der Geschäftsführer der Diskothek, dass es zu einer Diskriminierung gekommen ist. Die Gleichbehandlungsanwältin stellt daraufhin ein Verlangen an die Gleichbehandlungskommission zur Überprüfung, ob eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes vorliegt.

Nach Durchführung eines Verfahrens bei der Gleichbehandlungskommission bei dem sowohl der betroffene Mann, seine Freundin und eine weitere Auskunftsperson als auch die Türsteher und Geschäftsführer befragt wurden, kommt die Gleichbehandlungskommission zu dem Ergebnis, dass eine Diskriminierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit beim Zugang zu Dienstleistungen vorliegt und daher gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen wurde.

Beispiel 11: Diskriminierung durch eine Hausverwaltung – Wohnung wurde nicht vermietet

Eine Frau österreichischer Herkunft, die mit einem Mann afrikanischer Herkunft verheiratet ist und dessen afrikanischen Namen angenommen hat, wendet sich zur Beratung an die Gleichbehandlungsanwaltschaft, da sie sich von einer Hausverwaltung diskriminiert fühlt.

Als die Frau mit der Hausverwaltung Kontakt aufgenommen hatte, um wegen einer Wohnung für sich und ihren Mann zu fragen, fragte die Hausverwaltung zunächst, woher sie komme, da ihr Name „fremd“ klinge. Nachdem die Frau mitteilte, dass ihr Mann afrikanischer Herkunft ist und es sich daher um einen afrikanischen Namen handelt, erklärte die Hausverwaltung, die Hauseigentümerin dulde keine Menschen mit dunkler Hautfarbe in ihrem Haus, weshalb die Wohnung nicht an sie und ihren Mann vermietet werde.

Nach einem persönlichen Beratungsgespräch weist die Gleichbehandlungsanwaltschaft die Hausverwaltung schriftlich auf das Diskriminierungsverbot hin und fordert zu einer Stellungnahme auf. Die Hausverwaltung nimmt zu dem Vorfall Stellung und bestreitet diskriminiert zu haben. Die Betroffenen sind über die Intervention der Gleichbehandlungsanwaltschaft froh, entscheiden sich jedoch schließlich keine weiteren rechtlichen Schritte setzen zu wollen.

Beispiel 12: sexuelle Belästigung durch Handwerker

Eine Frau bestellt einen Handwerker zur Reparatur der Waschmaschine in ihre Wohnung. Im Zuge der Reparaturarbeiten wird die Frau von dem Handwerker durch Berührungen sexuell belästigt. Sie wendet sich zur Beratung an die Gleichbehandlungsanwaltschaft und beschwert sich gleichzeitig in dem Unternehmen, bei dem der Handwerker beschäftigt ist. Mit Unterstützung der Gleichbehandlungsanwaltschaft kann schließlich eine Entschuldigung und eine Schadenersatzzahlung im Wege eines Vergleiches erreicht werden.