18.07.2014
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft hat aus Anlass "10 Jahre erweitertes Gleichbehandlungsgesetz" eine Diskussionsveranstaltung und ein Seminar zu ihrem Schwerpunktthema Mehrfachdiskriminierung durchgeführt

2014 jährt sich zum zehnten Mal die Erweiterung des Gleichbehandlungsgesetzes um fünf Diskriminierungsmerkmale neben dem Geschlecht. Seitdem können Ansprüche auf Basis des Gleichbehandlungsgesetzes auch bei Diskriminierungen aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters und der sexuellen Orientierung geltend gemacht werden. Aus diesem Anlass hat die Gleichbehandlungsanwaltschaft eine Diskussionsveranstaltung "10 Jahre erweitertes Gleichbehandlungsgesetz – Rückblick und Ausblick" im Dachgeschoss des Wiener Juridicums abgehalten.

Ao.Univ.-Prof. MMag. Dr. Michaela Windisch-Graetz und Univ.-Prof. Mag. Dr. Elisabeth Holzleithner präsentierten ihre Überlegungen zum Thema Mehrfachdiskriminierung. Gegenstand der ersten Präsentation waren mögliche Problemfälle im Hinblick auf das Zusammenspiel mit dem Behinderteneinstellungsgesetz. Elisabeth Holzleithner beschäftigte sich mit dem dogmatischen Konzept von Mehrfachdiskriminierung.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Mag. Sandra Konstatzky, diskutierten die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft, Dr. Ingrid Nikolay-Leitner, Mag. Birgit Lanner von der Behindertenanwaltschaft und Mag. Barbara Liegl, internationale Antidiskriminierungsexpertin, über den praktischen Umgang mit verschiedenen Fallkonstellationen von Mehrfachdiskriminierung und die Unterschiede, die sich dabei zwischen Einrichtungen für eine spezifische Zielgruppe wie die Behindertenanwaltschaft und umfassenden Beratungseinrichtungen wie die Gleichbehandlungsanwaltschaft zeigen.

Für die Gleichbehandlungsanwaltschaft kann ganz generell festgestellt werden, dass sich die Befürchtungen des Jahres 2004, es könne durch die Erweiterung des Gleichbehandlungsgesetzes zu einer Vernachlässigung des Diskriminierungsgrundes Geschlecht kommen, nicht bewahrheitet haben. Vielmehr wurden durch die umfassende Arbeit Diskriminierungsaspekte auch in der Geschlechterdiskriminierung neu und schärfer sichtbar. Abschließend wurde diskutiert, welche weiteren Schritte nötig wären, um alle von Mehrfachdiskriminierung Betroffenen bestmöglich beraten und unterstützen und diesen Formen von Diskriminierung entgegenwirken zu können.

Mehrfachdiskriminierung interdisziplinär zu behandeln war der Anspruch des ganztägigen Seminars "Dimensionen von Diskriminierung" an der Verwaltungsakademie des Bundes. Mag. Norbert Pauser, Diversitätsmanager, präsentierte seine Überlegungen zum Umgang mit Vielfalt. Simone Philipp, M.A. stellte die neueste Studie des Europäischen Trainings- und Forschungszentrums für Menschenrechte und Demokratie (ETC) Graz zu Mehrfachdiskriminierung am österreichischen Arbeitsmarkt vor. Mag. Cornelia Amon-Konrath und Mag. Pritz-Blazek, Gleichbehandlungsanwaltschaft, beleuchteten die Judikatur des Europäischen Gerichtshofs zum Thema Mehrfachdiskriminierung und stellten konkrete Fallkonstellationen aus dem Beratungsalltag der Gleichbehandlungsanwaltschaft und aus Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission zur Diskussion. Die Verfassungsrichterin und Rechtsanwältin Dr. Sieglinde Gahleitner schilderte in ihrem Vortrag Erfahrungen beim Einklagen von Ansprüchen
vor Gericht in Diskriminierungsfällen und erläuterte die besonderen Herausforderungen bei Fällen von Mehrfachdiskriminierung.

Die Präsentationen der Vortragenden zum Nachlesen:

Einmal ist nicht genug. Eine sozialwissenschaftliche Studie über mehrfache Diskriminierungen am Arbeitsmarkt (Philipp) (PDF 177 kB)

Mehrdimensionalität und Intersektionalität - Theoretische Grundlagen und praktische Herausforderungen (Holzleithner) (PDF 307 kB)

Dimensionen von Diskriminierung vor den Gerichten (Gahleitner) (PDF 235 kB)

Entschieden verschieden, Diversitätsmanagement in Theorie und Praxis (Pauser) (PDF 3829 kB)

Einfach - Mehrfach - Vielfach, Praxiserfahrungen aus der Gleichbehandlungsanwaltschaft (Amon-Konrath, Pritz-Blazek) (PDF 265 kB)