30.03.2015
Das Kopftuch als Hindernis für die Begründung eines Arbeitsverhältnisses

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft hat in jüngster Zeit zwei Frauen beraten und unterstützt, die bei der Jobsuche aufgrund ihres Kopftuchs diskriminiert wurden. In beiden Fällen konnte Schadenersatz erwirkt werden.

Diskriminierende Äußerungen im Vorstellungsgespräch

Die junge Frau absolvierte gerade eine zusätzliche Ausbildung, als sie von einer offenen Stelle bei einem oberösterreichischen Metallbetrieb erfuhr und sich bei einer Personalvermittlerin um die Stelle bewarb. Ihre Gesprächspartnerin beim Vorstellungsgespräch machte sie darauf aufmerksam, dass Personen, die ein Kopftuch tragen, generell schwer zu vermitteln seien. Wie die junge Frau berichtete, sei im Verlauf des Gesprächs der Satz gefallen „Wenn Sie den Fetzen runter geben, dann schauen wir uns das an!“ Als die Bewerberin vorschlug, statt des Kopftuchs eine Perücke zu tragen, sei sie ausgelacht und als „Hinterwäldlerin“ dargestellt worden. Dafür bekam sie den Rat: „Bewerben sie sich noch einmal mit einem normalen Foto!“
Die junge Frau wandte sich an die Zentrale der Gleichbehandlungsanwaltschaft in Wien, die den Fall vor die Gleichbehandlungskommission brachte. Diese stellte in ihrem Prüfungsergebnis fest, dass eine Diskriminierung aufgrund der Religion vorliege. Weil die Gleichbehandlungsanwaltschaft keine Schadenersatzansprüche vor Gericht einklagen kann, wurde die Arbeiterkammer Oberösterreich um Unterstützung gebeten, die für die Muslima vor Gericht ging. Auch das zuständige Arbeits- und Sozialgericht in Oberösterreich bewertete die Aussagen der Klägerin als glaubwürdig. Das Urteil: Die Gesprächspartnerin der Frau beim Vorstellungsgespräch muss der Klägerin 1000,- Euro Schadenersatz für eine Belästigung im Zusammenhang mit ihrer Religion bezahlen. Die ebenfalls beklagte Firma kam glimpflich davon: Hier stimmte die junge Frau einem Vergleich über 550,- Euro zu.

Frau mit Kopftuch passt nicht in das Unternehmenskonzept

Eine junge Muslima war auf der Suche nach einer Teilzeitbeschäftigung, um ihr Studium finanzieren zu können. Sie bewarb sich als Servicemitarbeiterin bei einer Café-Konditorei. Auf ihrem Bewerbungsfoto war sie deutlich mit Kopftuch zu sehen. Kurze Zeit später wurde sie von einer Mitarbeiterin des Cafés angerufen. Diese erklärte ihr, dass die Stelle noch frei sei und fragte, ob sie noch Interesse habe. Als die junge Frau bejahte, teilte ihr die Mitarbeiterin mit: „Während der Arbeitszeit müssten Sie ihr Kopftuch ablegen.“ Dazu war die Frau jedoch nicht bereit. Für die Stelle kam sie damit nicht mehr in Frage.
Sie wandte sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft, die das Unternehmen zu einer Stellungnahme aufforderte. Das Unternehmen argumentierte, dass eine kopftuchtragende Frau die ältere und konservative Kundschaft verschrecken würde, da das Kopftuch nicht dem Bild einer Dame entspreche, die für dieses Unternehmen tätig ist. Nachdem Vergleichsversuche scheiterten, brachte die Gleichbehandlungsanwaltschaft einen Antrag bei der Gleichbehandlungskommission ein und argumentierte aufgrund der Stellungnahme zusätzlich, dass die Frau nicht nur auf Grund der Religion, sondern auch auf Grund des Geschlechts benachteiligt worden sei. In ihrer Entscheidung bestätigte die Gleichbehandlungskommission das Vorliegen einer Mehrfachdiskriminierung. Da die Gleichbehandlungsanwaltschaft nicht die Möglichkeit hat, vor Gericht eine Klage einzubringen, wurde die Frau über Vermittlung von ZARA vom Klagsverband vertreten. Das Unternehmen ließ sich jedoch nicht auf das Verfahren vor dem Arbeits- und Sozialgericht ein, sondern zahlte den geforderten Schadenersatz in Höhe von 2500,- Euro.