09.12.2016
Was geschieht aktuell in der Gleichbehandlungsanwaltschaft?

Im Arbeitsbereich Beratung und rechtliche Unterstützung:

Belästigungen, vor allem aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit und aufgrund der Religion kommen sowohl in der Arbeitswelt, als auch bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen häufiger als früher vor und die Vorfälle sind schwerwiegender und feindseliger geworden.
Insgesamt werden die Themen Gleichbehandlung und Diskriminierungsschutz mit mehr negativen Emotionen und weniger Sachlichkeit behandelt als noch vor einigen Jahren.
Das zeigt sich beispielsweise auch, wenn die Gleichbehandlungsanwaltschaft bei diskriminierenden Stelleninseraten Verwaltungsstrafverfahren einleitet und daraufhin mit zahlreichen extremen Hassmails konfrontiert wird.

Im Arbeitsbereich Information und Bewusstseinsbildung:

Nach Beschwerden über Diskriminierungen von Flüchtlingen und Asylsuchenden, beispielsweise durch das Erlassen oder die Ankündigung genereller Zutrittsverbote zu Schwimmbädern und Lokalen, hat die Gleichbehandlungsanwaltschaft die betreffenden DienstleistungsanbieterInnen von sich aus über das Gleichbehandlungsgesetz informiert und österreichweit ein Informationsschreiben an 150 Beratungs- und Wohneinrichtungen für Flüchtlinge verschickt, um auch FlüchtlingsberaterInnen über den Diskriminierungsschutz zu informieren.

Für Jugendliche mit nicht österreichischem Aussehen, denen häufig der Zutritt zu Diskotheken verweigert wird, wird es in Kürze einen Informationsflyer geben, um diese gezielt über ihre Rechte zu informieren und auch BeobachterInnen, die in der konkreten Situation unterstützen wollen, zu stärken.

Seit Ende 2015 gibt es die Gleichbehandlungs:App, mit der von Diskriminierung Betroffene Vorfälle festhalten, Fotos hinzufügen und bei Bedarf direkt die Beratung und Unterstützung der Gleichbehandlungsanwaltschaft in Anspruch nehmen können.

Das aktuelle Schwerpunktthema der Gleichbehandlungsanwaltschaft lautet: Gleichbehandlung:Unternehmen. Ungeachtet ihrer primären Zuständigkeit für von Diskriminierung Betroffene versucht die Gleichbehandlungsanwaltschaft, im direkten Kontakt mit Unternehmen Prävention in den Unternehmen zu stärken und ein Klima der bewussten Diversität zu schaffen. Angeboten werden Workshops zu Spezialthemen und Veranstaltungen.
Gemeinsam mit dem Institut für Gender und Diversität in Organisationen an der Wirtschaftsuniversität Wien wird im Mai 2017 eine Veranstaltung an der Wirtschaftsuniversität stattfinden, die auch das Ziel hat, eine Plattform zum Austausch von Diversitäts- und Gleichstellungsmaßnahmen zwischen Unternehmen zu gründen.

Um die Aufmerksamkeit für alle Diskriminierungsprobleme generell zu erhöhen, hat die Gleichbehandlungsanwaltschaft unter dem Titel „The Others of the Others“ eine Antidiskriminierungsrevue mit Spiel-, Tanz- und Reflexionsszenen zu allen Diskriminierungsgründen des Gleichbehandlungsgesetzes produzieren lassen.
Aufführungen werden im März 2017 in Wien, Eisenstadt und St. Pölten stattfinden.
Die Aufführungen in den anderen Bundesländern sind für 2018 geplant.

Im Rahmen der europaweiten Zusammenarbeit der nationalen Gleichstellungsstellen im Netzwerk Equinet hat die Gleichbehandlungsanwaltschaft federführend am Handbuch How to build a Case on Equal Pay mitgearbeitet, das bereits auf der Website des EU-Netzwerks der Gleichstellungsstellen zur Verfügung steht und in Kürze auch in Print vorliegen wird. Durch das Handbuch soll das so schwierige Thema Entgeltgleichheit wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft wird spezielle Workshops für RechtsanwenderInnen anbieten.